B 474n – Vorstellung der neuen alten Trassenführung
Dienstag, 04 Mai, 2010 | Autor: M.Finke | Kategorie: B474n, Stadtentwicklung, UmweltAm 29. April war es mal wieder soweit. Frau Ellerwein-Bracksiek, Vertreterin des Landesbetriebs Straßen NRW, stellte in den zuständigen Ausschüssen wieder einmal eine neue Planung für die B474n vor. Natürlich gab es vorher keine Informationen für die Ausschussmitglieder oder interessierte Öffentlichkeit. Man musste mit der dargebotetenen Präsentation vorlieb nehmen, was nicht nur den weit hinten sitzenden Betroffenen und interessierten BürgerInnen schwerfiel.
Unser Befürchtungen hinsichtlich des Ausmaßes der Trasse wurden bestätigt. Auf einem hohen Damm wird die B474n nach Vorstellung der Planer im südlichen Teil vierspurig geführt. Im nördlichen Teil wird neben der B474n zusätzlich noch ein breiter Wirtschaftsweg die Landschaft durchschneiden.
Es ist an dieser Stelle unnötig zu sagen, dass diese Trasse – die von den Bürgermeistern Datteln und Waltrops vorgegeben wurde – keine Rücksicht auf ökologisch bedeutsame Naturräume nimmt. Selbst der Anspruch der Planungsbehörde, auf den “Faktor Mensch” Rücksicht zu nehmen, wurde nicht eingelöst.
Die ganze Verblendung der Planungsbehörde wurde sichtbar, als es in Ausschusssitzung darum ging, inwieweit den Betroffenen in Leveringhausen und Oberwiese die Trassenführung vor Ausschusssitzung bekannt gemacht wurde. Die vollmundige Behauptung der Landesbehörde, man hätte mit allen direkt Betroffenen gesprochen, blieb keine Minute unwidersprochen. Ein Bürger meldet sich und sagte, dass bisher die geplante Trasse rund 30 Meter entfernt an seinen Haus vorbeilaufen würde, die neue Trasse aber würde direkt durch sein Haus gehen. Und kein Vertreter der Landesbehörde hätte ihn jemals darüber informiert. Zunächst betretendes Schweigen bei den Experten, dann hektisches Blättern in den Papieren und eine Abteilungsleiterin, die nach Worten ringen muss, sich aber keines Fehlers bewusst ist. Hier wäre eine Entschuldigung seitens des Landesbetriebs angebracht, aber dazu ist man/frau anscheinend nicht in der Lage.
Wir haben zur Sitzung einen Antrag (siehe unten) eingebracht, um diese Endlosplanung an der B 474n endlich zu beenden. Der Antrag wurde mit unserer Zustimmung auf die nächste Ratssitzung vertagt. Dann gilt es Farbe zu bekennen, wer vertritt ökologisch Interessen und wer ist nur grün lackiert!
Unser Antrag im Wortlaut.
1. Die Stadt Waltrop fordert Straßen NRW auf, alle Planungsarbeiten zur geplanten B474 unverzüglich einzustellen.
Begründung:
Die ökologische Schädlichkeit jeglicher Trassenführung des geplanten Vorhabens ist hinreichend bewiesen, ebenso die fehlende verkehrliche Entlastung für die Waltroper Innenstadt und Wohngebiete.
Seit dem letzten Herbst sind nun auch die letzten Argumente für den Bau der B474n zu Staub geworden.
- Durch das OVG-Urteil bezüglich des Bebauungsplans 105 der Stadt Datteln wird das E.ON-Steinkohlekraftwerk Datteln 4 nicht ans Netz gehen. Damit entfallen die hierfür prognostizierten Lieferverkehre.
- Durch die anstehende Neubewertung des „newParks“ durch den RVR als die nun federführende Planungsbehörde rückt dessen Realisierung in weite Ferne. Die Industrialisierung des Lippetals, in weiten Teilen als höchst schutzwürdiges FFH-Gebiet vom europäischen Rang ausgezeichnet, wird Vision einiger Industrielobbyisten bleiben. Auch der „newPark“ kann nicht mehr als Begründung für die ansonsten unsinnige Straße herhalten.
2. Die Sitzung zu unterbrechen, damit die BürgerInnen und Bürgern die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu der Schnellstraße vorzubringen.
PS: Die VertreterInnen des Waltroper Aufbruchs wie auch der Partei Die Linke signalisierten Zustimmung. Auch ein junger Vertreter des Waltroper Ortsverbandes der Bündnisgrünen stimmte unserem Antrag in einem persönlichen Gespräch zu. Leider durfte er das Gespäch auf Geheiß älterer Bündnisgrüner nicht zu Ende führen.